Die Geschichte von Michelangelo und seiner Beziehung zur Malerei ist faszinierend und komplexer, als oft angenommen. Es stimmt zwar, dass der Künstler Frustration über die Malarbeit äußerte, insbesondere während der Anfertigung der Sixtinischen Kapelle, aber zu sagen, er „hasste“ das Malen, wäre eine übermäßige Vereinfachung.
Michelangelo betrachtete sich in erster Linie als Bildhauer. Die Skulptur war seine wahre Leidenschaft, die Kunst, die er zutiefst liebte und in der er den höchsten Ausdruck menschlicher Kreativität sah. Als Papst Julius II. ihn 1508 beauftragte, die Decke der Sixtinischen Kapelle auszumalen, lehnte der Künstler zunächst ab. Er war nicht begeistert, seine bildhauerischen Projekte aufzugeben, um sich einem so monumentalen und technisch anspruchsvollen Unterfangen zu widmen.
Während der vierjährigen Arbeit an der Sixtinischen Kapelle schrieb Michelangelo Briefe und Gedichte, die sein körperliches und geistiges Unbehagen offenbaren. Die Arbeit war erschöpfend: auf unsicheren Gerüsten zu liegen, während Farbe ins Gesicht tropfte, war eine fast unerträgliche Herausforderung. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er die Malerei an sich hasste, sondern vielmehr, dass er diesen speziellen Auftrag außerordentlich schwierig und frustrierend fand.
Was aus den historischen Quellen hervorgeht, ist, dass Michelangelo eine komplexe Beziehung zur Malerei hatte, nicht reinen Hass. Nach der Fertigstellung der Sixtinischen Kapelle malte er weiterhin und schuf bedeutende Werke, wie das Jüngste Gericht in der Sixtinischen Kapelle selbst, das Jahrzehnte später entstand. Hätte er das Malen wirklich gehasst, hätte er kaum weitere malerische Aufträge angenommen.
Die Wahrheit ist, dass Michelangelo ein Perfektionist war, besessen von der Qualität seiner Arbeit. Die Malerei war für ihn eine im Vergleich zur Bildhauerei zweitrangige Kunstform, aber deswegen nicht weniger wichtig, wenn er sie praktizierte. Seine Klagen spiegelten die technischen Schwierigkeiten, das körperliche Unbehagen und die Frustration wider, gezwungen zu sein, seine bevorzugten bildhauerischen Projekte zu unterbrechen, nicht eine echte Abneigung gegen den kreativen Akt des Malens.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Michelangelo das Malen im absoluten Sinne des Wortes nicht hasste. Vielmehr bevorzugte er die Bildhauerei und fand bestimmte malerische Aufträge besonders beschwerlich. Sein Genie drückte sich in beiden Kunstformen aus, obwohl sein Herz zweifellos dem Stein und dem Marmor gehörte. Sein Ruf als einer der größten Maler der Renaissance-Geschichte bezeugt, dass trotz der Schwierigkeiten und persönlichen Vorlieben seine Hingabe an die Malkunst außergewöhnlich blieb.